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joel | Wer nicht fühlen will muss hören

Posts By joel

Turbulente Wochen

Liebe Katja,

Jetzt habe ich doch zwei Wochen statt einer gebraucht, um dir zu antworten. Ich habe dafür aber eine gute Erklärung, denn ich habe zwei sehr turbulente Wochen hinter mir. Alles begann vor ein paar Monaten, als ich beschloss, diesen Trachten, denen ich auf meiner Uni immer wieder begegne, auf den Grund zu gehen und einen Meinungsartikel darüber zu verfassen. Das Magazin (für das ich Chefredakteur spiele) ist vor zwei Wochen erschienen. Mit dem Artikel über Trachten. Ich wusste, dass es wohl die eine oder andere Reaktion darauf geben würde und erwartete die eine oder andere mehr oder weniger nette Mail. Es kam etwas anders. Von Beschimpfungen bis hin zu fremdenfeindlichen Kommentaren war alles dabei. Ein junger Herr empfahl mir sogar, Österreich zu verlassen, wenn es mir hier nicht gefallen würde (Als ob das je zur Debatte gestanden hätte!). Mitten in dem sprichwörtlichen “Shitstorm” zu stehen, das lässt einen erst einmal gefrieren. Ich wusste nicht, wie reagieren. Zum Glück kamen auch einige nette und unterstützende Meldungen von den Menschen, auf die ich mich verlassen konnte. Und am wichtigsten: Meldungen von Menschen, die meinten, sie würden gerne Tracht tragen, aber meinen Artikel gut finden.

Das war am Dienstag letzte Woche. Online entspannte sich die Diskussion etwas, und meine KollegInnen der Österreichischen HochschülerInnenschaft wollten in die Offensive gehen. Den Film “Stoff der Heimat” über Trachten zeigen und zu einer Diskussion einladen. Die fand am Donnerstag statt und war konstruktiv, inspirierend und erleichternd. Es gab einen Moment, als wieder jemand behauptete, ich hätte geschrieben, alle Träger_innen von Trachten seien Nazis oder zumindest im rechten Eck.
Ich hielt es nicht mehr aus, es musste raus.

Ich erklärte mich – wobei ich immer noch denke, dass der Artikel klar genug ist – und sagte zum Schluss, wer aus dem Artikel raus liest, dass ich denke, alle Trachterträger_innen seien Nazis, müsse lesen lernen. Lachen und Applaus. Das war ein guter Moment, die Spannung war weg, aufgelöst. Am Tag danach war der Ball meiner Universität in der Hofburg, zu dem ich noch nie gegangen war. Dieses Jahr ging ich aus Solidarität mit einem guten Freund, der gehen musste. So viele Menschen in Tracht hatte ich noch nicht gesehen – und ich führte mehr (positive und konstruktive) Diskussion über meinen Artikel als über meinen Nagellack, dem ich eigentlich einiges an Irritationspotential zugesprochen hatte.

(Irgendwo dazwischen war auch noch eine Prüfung und ein bisschen Sozialleben und Alltag.) Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier mal Blasmusik posten würde, aber zu den letzten zwei Wochen ist wohl nichts anderes passender.

Glücklich (in der Sonne)

Liebe Katja,

nach langer Inaktivität versuche ich, das Blog wiederzubeleben. Vielleicht hilft ja eine Weihnachtsgeschichte:

Heiligabend 2012, 16h. Ich sitze im Radiostudio von Radio ARA und grinse vor mich hin. Ein paar Stunden zuvor war ich unschlüssig, ob ich überhaupt eine Livesendung machen sollte oder ob es nicht wesentlich stressfreier wäre, eine Playlist mit Musik laufen zu lassen. Das Bauchgefühl war für die stressfreie Version, der Kopf meinte “Du bist nur zwei Wochen in Luxemburg, du musst von jeder Gelegenheit live auf Sendung zu gehen,die du kriegen kannst, profitieren!”. Der Kopf hatte Recht. Ich versuche noch, einen alten Comoderator zu mobilisieren, der hat aber leider keine Zeit. Das Radio ist dunkel und verlassen, außer mir ist heute niemand hier.

Als ich im Studio sitze, weiß auch mein Bauch wieder, warum der Kopf Recht hatte: der Geruch, die Lichter, das kribbelnde Gefühl, wenn die Uhr sich langsam aber sicher gegen die volle Stunde bewegt und eigene Einsatz kommt. Ich bin in meinem Element. Und das auch, weil ich weiß, dass Anne und Thierry, auch wenn sie nicht mit mir im Studio sitzen können, zuhören und eifrig auf Facebook kommentieren.

Und dann spiele ich dieses Lied – eins, das wir in der Anfangszeit unseres gemeinsamen Radiomachens oft gespielt haben – und es kommt so etwas ähnliches wie Weihnachtsstimmung auf. Ich sitze glücklich im Studio, in das bis eben noch die Sonne (bei beschaulichen 12° C draußen) geschienen hat.

Und wie hast du deinen Heiligabend verbracht?

mit besten Grüßen,
Joël

Der erste Tag

Liebe Katja,

aller Anfang ist schwer, heißt es oft. Irgendwann im Mai war das Radiocamp am Bodensee und seitdem steht dieser Beschluss, ein Musikblog in Briefform zu starten. Jetzt ist es September und es ist soweit: Wer nicht fühlen will muss hören ist online. Eine lustigere Domain als fhoerl.net, ein Portmanteau aus “fühlen” und “hören” ist uns nicht eingefallen, aber ich bin ganz zufrieden damit.

Musikalisch werde ich sicherlich kein Fan der Clowns und Helden, aber mindestens eine Zeile des Liedes ist mir doch sehr bekannt: “Fast kommt es mir wie eine Krankheit vor“. Als ich mich das erste Mal so richtig Hals über Kopf verliebt habe, hatte ich das Gefühl, einen Tumor in meinem Kopf zu haben, der die Kontrolle übernommen hat.

Mein Lied kommt von den Bright Eyes und heißt “First Day of my Life”. Ich mag es, weil es für mich ziemlich genau beschreibt, was damals passiert ist: Eine völlig neue Gefühlswelt hat sich aufgetan und nach der Episode, die leider nicht allzu lange andauerte noch sonderlich glücklich verlief, war ich ein anderer Mensch. Ich will die Metapher des Liedes nicht zu sehr strapazieren, denn gleich der erste Kommentar auf der allgegenwärtigen Musikplattform offenbart, was offenbar nicht nur ich denke: “Can’t wait until I find someone that fits this song” – wobei ich erstmal offen lassen will, wer diese_r “someone” sein soll und was für eine Rolle diese Person (oder gar Personen) spielen soll. Eine weise Person mutmaßte mal, dass es oft vielleicht gar nicht die Person ist, nach der eins sich sehnt, sondern das Gefühl …